Veranstaltungen
LKV Sachsen-Anhalt e.V. am 2. September 2014


Informationsveranstaltung für Schweinehalter zum Thema "Neues Tiergesundheitsrecht – Lösungen für die Umsetzung in der Praxis"

Großes Interesse bestand an den am 26. und 28. August in Halle und Iden durchgeführten Informationsveranstaltungen für Schweinehalter zum Thema „Neues Tiergesundheitsrecht - Lösungen für die Umsetzung in der Praxis“. Ca. 180 Landwirte, Tierärzte und Behördenvertreter haben auf Einladung der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt und des Landeskontrollverbandes Sachsen-Anhalt zu diesem Thema diskutiert.



Im ersten Vortrag ging Herr Dr. Ulrich Bachmann von der LKV-Agro-Tier-Service GmbH auf die neuen Regelungen bei der Tierseuchenbekämpfung durch das am 1. Mai 2014 in Kraft getretenen Tiergesundheitsgesetz ein. Hier ist nun klargestellt, dass im Tierseuchenfall der Landwirt für die Tötung der Tiere zu sorgen hat. Hierzu hat er entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Da diese Aufgabe in der Regel die Kapazität und die Qualifikation des Einzelnen übersteigt, wurde im Land Sachsen-Anhalt nach einer landesweit einheitlichen Lösung gesucht. Mittlerweile haben der Wirtschaftsgeflügelverband, der Schaf- und der Rinderzuchtverband die LKV-Agro-Tier-Service GmbH mit dieser Aufgabe betraut.
Den gegenwärtigen Arbeitsstand stellte Dr. Bachmann vor. Nach Etablierung eines Lenkungsausschusses wurden, beginnend beim Geflügel, Konzepte für die Tötung von Groß- und Kleinbeständen entwickelt und ein Vorsorgevertrag mit einem Spezialunternehmen im Geflügelbereich geschlossen. Die Übernahme im Land vorhandener bzw. Anschaffung von Tötungstechnik für Kleinbestände ist in die Wege geleitet. Dankenswerter Weise hat die Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt, die ein großes Interesse an entsprechenden Vorkehrungen hat, die Finanzierung übernommen. Leider, so Dr. Bachmann, fehlt im Schweinebereich, der wie beim Geflügel hohe Bestandskonzentrationen aufweist, ein entsprechender Ansprechpartner zur Beauftragung. Die Anwesenden waren sich einig, dass die Schweinehalter in Sachsen-Anhalt in die landesweite Vorsorgelösung einzubeziehen sind und eine Vertretung brauchen.
Ob hier die Stiftung zur Förderung der Schweinezucht diesen Part übernehmen kann, wurde überlegt und wäre zu prüfen.

Der nachfolgende Vortrag befasste sich aus aktuellem Anlass mit dem tierschutzgerechten Töten von nicht lebensfähigen bzw. unheilbar kranken Ferkeln. Dazu stellte Herr Dr. Lutz Kattein (Iden) bzw. Herr Dr. Julian Azar (Halle) die Rechtgrundlagen und den kürzlich durch Minister Dr. Hermann Onko Aeikens dazu verschickten Erlass vor. Demnach ist die derzeit einzige zulässige und sichere Methode zur Tötung von Ferkel unter 5 kg die Betäubung durch Kopfschlag und der anschließende Blutentzug. In der Diskussion machten die anwesenden Sauenhalter deutlich, dass es ihnen nicht leicht fällt unheilbarkranke Ferkel zu töten aber es dazu auch keine Alternativen gibt, um den Tieren weiteres Leid zu ersparen. Hervorgehoben wurde, dass durch den Erlass nun Rechtssicherheit in der Methodenanwendung besteht.
Auch ein Sachkundenachweis wurde für wichtig erachtet. Eine praxisgerechte Lösung stellte Herr Marcus Elmerhaus von der Firma Animal Welfare Service GmbH mit einem „Piglet Case“ genannten Servicewagen vor.

Einen Schwerpunkt der Veranstaltung bildeten die Regelungen zur 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes. Diese beinhalten im Wesentlichen die Erfassung der Antibiotikagaben an Masttiere in einer zentralen Datenbank und Wege zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes in der Tiermast. Herr Dr. Lutz Kattein bzw. Herr Dr. Julian Azar erläuterten die rechtlichen Grundlagen und die Pflichten der Masttierhalter im Antibiotikamonitoring. Sie gingen auf die zur Meldung verpflichteten Betriebe und auf die Art und den Umfang der Meldungen ein. Halbjährlich werden die Mastbetriebe nach ihrem Antibiotikaeinsatz rangiert. Betriebe mit einem über dem Durchschnitt (Median) liegenden Antibiotikaeinsatz müssen mit ihrem Hoftierarzt entsprechende Minderungskonzepte erarbeiten. Die Betriebe im oberen Viertel, die den höchsten Antibiotikaeinsatz haben, muss dieses Konzept der zuständigen Veterinärbehörde einreichen, die dieses prüft. Dabei wurden der Behörde weitgehende Rechte eingeräumt, die im Extremfall bis zum Haltungsverbot reichen.

Der Landeskontrollverband Sachsen-Anhalt, der vom Land mit der Kennzeichnung und Registrierung von Vieh beliehen worden ist, soll auch der Ansprechpartner für die Tierhalter im Antibiotikamonitoring sein und die Tierhalter zum Beispiel bei der Dateneingabe unterstützen. Frau Dr. Ines Naumann, Abteilungsleiterin im LKV, stellte deshalb zum Abschluss der Veranstaltung in einer praktischen Demonstration vor, wie der Tierhalter seine Meldungen in der zentralen Datenbank HI-Tier, in welcher als Modul die Antibiotikadatenbank angedockt wurde, abgeben kann. Der Zugang zur Antibiotikadatenbank ist wie bei der HI-Tier-Datenbank die Registriernummer des Betriebes oder Standortes und eine durch den LKV vergebene PIN. Auch wie der Landwirt vorgehen muss, wenn er Dritte mit dieser Aufgabe betraut, erläuterte Frau Dr. Naumann ausführlich. Obwohl jede Meldung durch den Tierhalter storniert werden kann, forderte sie zu einer sorgfältigen Eingabe insbesondere des Medikamenteneinsatzes auf. Hier fehlen leider noch viele automatische Prüfungen der Datenplausibilität, wodurch es schnell zu falschen Eingaben kommen kann. Frau Dr. Naumann befürchtete, dass es ähnlich wie bei der Etablierung der Rinderdatenbank im Nachhinein zu durch den Landwirt zu korrigierenden Fehlermeldungen kommen könnte. Auch wenn die Antibiotikaangaben erst am 14. Januar 2015 für das 2. Halbjahr 2014 eingegeben sein müssen, ist eine kontinuierliche Meldung vorteilhaft.

Moderiert wurde die Veranstaltung durch den Geschäftsführer der Tierseuchenkasse, Dr. Falk Salchert, der sachkundig und souverän durch die Veranstaltung führte.
Die Unterlagen zu den Vorträgen finden Sie unten.

Tagesordnung:

1. Einleitung/Begrüßung
    Herr Dr. Döring, LKV

          - Einladung
          - Anschreiben TSK

2. Neue gesetzliche Regelungen zur Tierseuchenbekämpfung
    (Tierseuchenvorsorge)
    Herr Dr. Bachmann, LKV ATS GmbH

          - Vortrag

3. Tierschutzgerechtes Töten (Rechtsgrundlagen)
    Herr Dr. Azar, LVA / Herr Dr. Kattein, MLU

          - Pressemitteilung MLU

4. Meldungen zur Antibiotikadatenbank
    Herr Dr. Azar, LVA / Herr Dr. Kattein, MLU

          - Vortrag

5. Praktische Einweisung Antibiotikadatenbank
    Frau Dr. Naumann, LKV

          - Vortrag
          - Handbuch TAM, HI-Tier



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